Vereine vorstellen 30. Oktober 2026

Tatjana Jurk von Das Zusammenleben e. V. zu Gast bei „Trude Kuh“

Die Türen der Studios von „Trude Kuh“ öffnen sich, und mit ihnen eine Geschichte, die nach Ankunft duftet und nach Heimat klingt – beides zugleich. Wer aus einem Flugzeug steigt und an einem Tag zweimal Geburtstag feiert, einmal in Kasachstan und ein paar Stunden später in Deutschland, der weiß, wie sich das sanfte Rauschen fremder Wörter und das Stolpern über vertraute Erinnerungen anfühlt. Integration heißt nicht, Altes zu vergessen, sondern Neues zu verstehen – mit Menschen, die an die Kraft von Gemeinschaft glauben. Genau diese Haltung prägt den Verein Das Zusammenleben aus Freital. Und darüber spricht die Vorsitzende Tatjana Jurk, die 2001 nach Deutschland kam, mit jenem warmen Lachen über Dialekte und jenem ruhigen Ernst über Hürden, aus dem nur Menschen sprechen, die für andere Brücken bauen. Moderiert wurde das Gespräch von Redaktionsleiter Georg Mahn.

Ankommen heißt nicht loslassen: Identität als Brücke in die neue Heimat

Als Tatjana Jurk vom ersten Kulturschock erzählt, leuchtet ein wichtiger Kern des Vereins auf: Ankommen ist ein Prozess, der die eigene Herkunft nicht ausradiert. Ihre Vorfahren kamen aus Elsass-Lothringen, lebten in der Ukraine, wurden nach Kasachstan deportiert – Kulturen haben sich über Generationen ineinander gelegt. In Deutschland neu zu beginnen heißt für sie und den Verein nicht, die frühere Sprache, die Mentalität oder Bräuche abzustreifen, sondern sie mit der Wirklichkeit hier zu verweben. „Unsere Identität ist deutsche Identität, aber eine alte, gewachsene“, sagt Jurk – eine Sicht darauf, dass gelebte Geschichte und heutige Lebenswelt sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.

Damit widerspricht der Verein einer radikal verstandenen Idee von Integration, die Menschen auffordert, alles hinter sich zu lassen. Stattdessen fördert Das Zusammenleben Orte des Austauschs und Alltagsbegleitung, in denen Unterschiede Gesprächsanlässe sind und kein Grund zur Trennung. Genau hier entsteht Gemeinschaft: nicht nebeneinander, sondern miteinander.

Vom Sprachkurs zur Struktur: Warum ein Verein entstanden ist

Was 2005 aus dem Engagement russischsprachiger Zugewanderter begann, war eine klare Antwort auf Alltagssituationen, die ohne Sprache und Anerkennung schwer zu bewältigen sind. Viele mitgebrachte Abschlüsse und Kompetenzen wurden nur teilweise anerkannt, oft gar nicht. Die Idee, selbstständig zu werden – Café, Reisebüro, unternehmerische Projekte – scheiterte zunächst an fehlenden Kenntnissen über das deutsche Steuer- und Rechtssystem. Also gründete die Gruppe einen Verein: ein sicherer Rahmen, um Sprache zu verbessern, Kenntnisse aufzubauen und gleichzeitig Wirkung zu entfalten.

Heute berät Das Zusammenleben nicht nur Menschen in Freital, sondern auch sachsenweit Migrantenorganisationen zu Demokratie und Engagement. Vernetzung ist dabei Programm: mit Stadt, Landkreis, Netzwerken bis hin zu einem osteuropäischen Bundesverband. Das Ziel war von Beginn an zweigleisig: Unterstützung im Alltag leisten und die eigene kulturelle Identität bewahren. Beides ist Fundament und Motor.

Nachbarschaft, Seniorendienste, Kultur: Vielfalt, die trägt

Ankommen ohne Sprache – das beschreibt Jurk als größte Herausforderung vieler heute Geflüchteter. Der Verein reagiert darauf mit Begleitung und gelebter Nachbarschaft. Ein Schlüsselprojekt ist das Nachbarschaftsfest, das vor 20 Jahren als „Tag der Integration“ begann und nach Diskussionen zum „Nachbarschaftsfest“ wurde. Damit öffnete es sich spürbar: 2.200 bis 2.500 Besucher zeigen, was passiert, wenn die Einladung inklusiv gedacht wird – es kommen alle.

Auch die praktische Hilfe ist groß: Der Verein ist Leistungserbringer für rund 250 Seniorinnen und Senioren unterschiedlicher Herkunft, darunter arabischsprachige, russischsprachige und einheimische Menschen. Haushaltshilfe, Gartenarbeit und alltagsnahe Unterstützung sichern Selbstständigkeit und Teilhabe. Besonders wichtig ist dem Verein, nachhaltig zu wirtschaften: Verträge mit Krankenkassen, eine sachsenweit bekannte internationale Küche und eine Nähstube schaffen Unabhängigkeit von Projektmitteln. Angebote für Kinder und Jugendliche wachsen nach Bedarf – ob Kunst, Sport, Tanz, Ballett oder Ringen. Gerade seit 2022, als viele ukrainische Familien kamen, wurden Kinderprogramme und Mütterangebote ausgebaut.

Anerkennung und Haltung: Demokratie beginnt im Alltag

Es sind nicht nur Projekte, die wirken, sondern auch die Haltung dahinter. Als Freital 2015/2016 medial als „braune Stadt“ etikettiert wurde, stand Tatjana Jurk in Berlin und widersprach: Es gebe eine andere Geschichte – die der Engagierten, die der Nachbarschaft, die der Zuversicht. Die Auszeichnung „Botschafter für Demokratie“ in diesen Jahren ist deshalb ein starkes Zeichen. Hinzu kommen Nominierungen als „Verein des Jahres“ und der Sächsische Bürgerpreis, etwa 2022, als der Verein besonders vielen ukrainischen Menschen half. Das sind Würdigungen, die nicht Selbstzweck sind, sondern Bestätigung dafür, dass gelebte Demokratie im Alltag beginnt: Hand in Hand, mit offenen Türen.

Visionen für morgen: Wohnen, Museum, Lernen

Jurk denkt nach vorn. Ihr Wunsch: Wohngemeinschaften für russischsprachige Seniorinnen und Senioren, vor allem dort, wo Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist. Der Hintergrund ist praktisch und menschlich zugleich: Bei Demenz geht oft zuerst die deutsche Sprache verloren, die Muttersprache bleibt. Angebote, in denen diese Realität aufgefangen wird, fehlen in Sachsen. Deshalb bildet sich Jurk weiter, um die juristischen Grundlagen zu schaffen und passende Modelle zu entwickeln.

Ein zweiter Traum ist kulturell: ein sächsisches Museum zur russlanddeutschen Kulturgeschichte. In Deutschland existiert bislang nur eines in Detmold, doch Das Zusammenleben hat bereits über 100 Exponate gesammelt. Hier würden Lebenswege, Bräuche, Sprache und Erinnerungen begehbar, die das Miteinander heute erklären. Dass Jurk zweimal in Deutschland studiert hat, zeigt, wie stark Lernen als Leitmotiv des Vereins verankert ist: Wissen schafft Wege.

Einladung: Gemeinsam erzählen, helfen, werben – im TV-Studio von „Trude Kuh“

Wir von „Trude Kuh“ freuen uns, wenn Du nach diesem Besuch von Tatjana Jurk und dem Verein Das Zusammenleben Lust bekommen hast, Deine eigene Geschichte zu teilen: ob als Verein, Initiative oder Unternehmen – melde Dich gerne bei uns, wenn Du Deinen Verein im TV-Studio von „Trude Kuh“ vorstellen möchtest, denn wir erzielen über 14,5 Mio. Kontakte im Monat und bieten damit starke Werbemöglichkeiten für Unternehmen, die mit authentischen Geschichten auffallen wollen; in dieser Sendung haben wir über das Ankommen ohne die eigene Identität zu verlieren gesprochen, über Begleitung im Alltag, über das Nachbarschaftsfest mit tausenden Besucherinnen und Besuchern, über Seniorendienste, Kinder- und Jugendangebote, demokratische Auszeichnungen und über Visionen wie russischsprachige Wohngemeinschaften und ein Museum zur russlanddeutschen Kulturgeschichte – wenn Du Dich angesprochen fühlst, dann schau auf „Trude Kuh“, erfahre mehr über unser TV-Studio von „Trude Kuh“, nutze die Chance, Deinen Verein im Interview vorzustellen, und entdecke das Potenzial unserer Reichweite für Deine Werbemöglichkeiten für Unternehmen, denn wir laden Dich ein, mit uns Geschichten zu erzählen, die bewegen, Netzwerke zu knüpfen, die tragen, und Kampagnen zu entwickeln, die Wirkung entfalten – wenn auch Du Menschen erreichen willst, dann komm zu uns und mach den nächsten Schritt mit „Trude Kuh“.

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