Silvia Preißner und Sabine Kallergis von Taubenhausmanagement e.V. zu Gast bei „Trude Kuh“
Wenn Tauben in warmen Sommerstrahlen ihre Flügel schütteln, glucksend in flachen Wannen baden und anschließend in ihre kleinen „Apartments“ hüpfen, wirkt die Stadt plötzlich weniger grau und deutlich menschlicher. Genau solche Bilder prägen das Gespräch – und sie erzählen eine Geschichte von Fürsorge, Verständnis und einer leisen, aber wirkungsvollen Revolution im Stadtraum: Weg vom Wegscheuchen, hin zum Management mit Herz und Verstand. Im Zentrum steht das Taubenhausmanagement Taubenzuflucht e.V. aus Siegburg und zwei Frauen, die aus Überzeugung handeln: Silvia Preißner und Sabine Kallergis. Geführt wurde das Interview von Redaktionsleiter Georg Mahn.
Warum Stadttauben unsere Aufmerksamkeit brauchen
Stadttauben gehören zum Stadtbild – doch verstanden werden sie selten. Dabei sind Tauben hochsoziale, intelligente Tiere, die in festen Partnerschaften leben, ihren Nachwuchs gemeinsam großziehen und über einen erstaunlichen Orientierungssinn verfügen. Dass sie in Städten leben, ist kein Zufall, sondern Folge menschlicher Einflussnahme: Ursprünglich Felsenbrüter, finden sie heute an Gebäuden, Gesimsen und in Kirchtürmen die felsähnlichen Strukturen ihrer Ur-Heimat. Die Idee, Tauben „einfach in den Wald umzusiedeln“, ist ein Trugschluss: Wildtauben leben in Bäumen, Stadttauben nicht – ihr Habitat ist die Steinarchitektur der Städte.
Problematisch wird es, wenn Brutplätze verbaut und Tiere vergrämt werden. Silvia Preißner berichtet von verschlossenen Brutnischen am Bahnhof – Tauben, die sich verzweifelt an Gitter klammern, Kälte und Regen ausgesetzt. Diese Situationen sind kein Naturgesetz, sondern menschengemacht – ebenso wie die Futternot. Auf der Suche nach Nahrung geraten Tauben ins Gedränge mit Menschen, fressen Unpassendes wie Pommes und werden als „störend“ wahrgenommen. Genau hier setzt Taubenhausmanagement Taubenzuflucht e.V. an: nicht vertreiben, sondern betreuen.
Ein Taubenwagen als Leuchtturmprojekt
Herzstück der Arbeit in Siegburg ist ein Taubenwagen – ein geschützter Schlaf- und Brutort, an dem die Tiere artgerecht versorgt werden. Das Konzept ist einfach und wirkungsvoll: Dort gibt es täglich frisches Wasser und passendes Futter, regelmäßige Gesundheitskontrollen – und kontrollierte Brut. Der Verein erhält Zugang zu den Nestern, um Eier gegen Gipseier auszutauschen. So bleibt die Population stabil, ohne den Tieren zu schaden. Das ist Tierschutz mit Augenmaß: Die Tauben brüten weiterhin ihren natürlichen Zeitraum von etwa 19 bis 21 Tagen, der Körper kann regenerieren, der kräftezehrende Zyklus wiederholter Neu-Gelege wird durch die Gipseier unterbrochen.
Im Inneren des Wagens herrscht erstaunliche Ordnung. Jede Taube sucht sich „ihr“ Fach, kleine Rangeleien inklusive – schließlich muss in jeder Hausgemeinschaft ein Platz gefunden werden. Dass Tauben sauber sind, zeigen die Bade-Szenen eindrucksvoll. Der Ruf vom „schmutzigen Vogel“ hält einer Beobachtung vor Ort nicht stand.
Transparenz, Zahlen und Verantwortung
Wer gut arbeiten will, muss wissen, was wirkt. Deshalb dokumentiert der Verein die Populationen im und rund um den Taubenwagen, ebenso jeden einzelnen Eiertausch. 2023 wurden knapp 150 Eier ausgetauscht, 2024 bereits rund 300 – ein starkes Signal in doppelter Hinsicht: Der Taubenwagen wird angenommen, und die Populationskontrolle ist effektiv. 300 nicht geschlüpfte Jungtiere bedeuten weniger Druck im Stadtraum – für Mensch und Tier.
Wichtig ist auch die Kennzeichnung: Von Taubenzuflucht beringte Tiere tragen den Vereinsnamen und eine Telefonnummer. Wird eine Taube verletzt, krank oder geschwächt gefunden, kann der Verein schnell handeln. Dieses Netzwerk aus Sichtbarkeit, Erreichbarkeit und dokumentierter Arbeit schafft Vertrauen – bei Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie bei Institutionen. Nicht umsonst war der Anstoß zur Vereinsgründung 2024 die Stadt Siegburg selbst, die nach einer wirksamen, humanen Lösung suchte.
Einsatz vor Ort: vom Glockenturm bis zur Brücke
Die Arbeit endet nicht an der Tür des Taubenwagens. Wenn Kirchtürme besiedelt sind, Brücken Nester bergen oder in Gebäuden ungewollt Tauben einziehen, ist der Verein erreichbar – und fährt raus. Vor Ort werden Situationen beurteilt, Jungtiere gesichert, Eier getauscht, adulte Tiere gefangen und an betreute Orte überführt. Arbeiten in Warnwesten zeigen Präsenz und Professionalität. Öffentlichkeitsarbeit gehört fest dazu: am Stand, im Gespräch, mit Materialien, die aufklären statt anzuklagen. Dass sich Wahrnehmungen ändern, ist spürbar – am Bahnhof in Siegburg etwa berichten Menschen bereits von positiven Effekten.
Alltag, der beeindruckt: Pflege, Reinigung, Teamspirit
Tierwohl ist Handarbeit. Der Taubenwagen wird täglich gereinigt, meist anderthalb bis zwei Stunden, im Team auch länger. Das ist nicht glamourös, aber grundlegend für Hygiene, Gesundheit und Akzeptanz. Beide Vorständinnen betonen, wie sehr die Arbeit verbindet: Man lernt Menschen kennen, die ähnliche Werte tragen, erlebt, wie gemeinsames Dranbleiben Stadtbilder und Haltungen verändert, und spürt, wie aus „man müsste mal“ ein „wir machen“ wird.
Ein schönes Beispiel der Öffentlichkeitsarbeit ist der Kalender „Stadtgeflatter“, entstanden mit der Stadttaubenhilfe Bonn und fotografiert von Sabine Kallergis’ Mann, Konstantin. Die Bilder sind mehr als dekorativ: Sie vermitteln Wissen – etwa, dass sich das Taubenalter an Größe und Farbe der Nasenwarze abschätzen lässt – und sie holen Sympathie ins Wohnzimmer. Der Kalender kann per E-Mail oder Facebook beim Verein für 15 Euro bestellt werden; auf Wunsch wird er verschickt.
Haltung zeigen: Hilfe holen, statt wegsehen
Wenn in der Region eine Taube in Not auffällt, gilt: Nicht wegsehen. Wer selbst nicht helfen kann, holt Hilfe. Genau dafür sind Kennzeichnung und Erreichbarkeit des Vereins da. Wegschauen lässt Tiere schutzlos, ein Anruf kann Leben retten – oder zumindest Leid verhindern. Die Geschichte von Sabines erster geretteter Taube vor rund 25 Jahren zeigt, wie aus einer Begegnung ein Weg werden kann. Und sie erklärt, warum die Stadt Siegburg auf Menschen wie sie und Silvia zugegangen ist: weil Engagement, Fachwissen und ein funktionierendes Konzept mehr bewirken als kurzfristiges Vergrämen.
Deine Einladung: Gemeinsam Stadt besser machen – bei „Trude Kuh“
Wir von „Trude Kuh“ haben mit Silvia Preißner und Sabine Kallergis vom Taubenhausmanagement Taubenzuflucht e.V. gezeigt, wie betreute Taubenhäuser funktionieren, warum Stadttauben keine Waldtiere sind, wie ein Taubenwagen mit Futter, Wasser und Eier-Tausch die Population tierschutzgerecht stabilisiert und weshalb tägliche Pflege, Beringung und Dokumentation Vertrauen schaffen; wenn Du Deinen Verein, Deine Initiative oder Dein Herzensprojekt vorstellen willst, melde Dich bei uns, denn auf „Trude Kuh“ erreichst Du Menschen, die zuhören, mitdenken und mitmachen, unser TV-Studio von „Trude Kuh“ steht für authentische Geschichten bereit, und wenn Du Deinen Verein im Interview präsentieren möchtest, findest Du hier alles Wichtige: Verein im Interview vorstellen, außerdem erzielen wir über 14,5 Millionen Kontakte im Monat – ideale Reichweite für starke Partnerschaften und klare Botschaften; Unternehmen, die smart werben wollen, entdecken hier unsere Angebote: Werbemöglichkeiten für Unternehmen, wir von „Trude Kuh“ verbinden relevante Inhalte mit großer Sichtbarkeit – wenn auch Du Dein Thema voranbringen willst, komm ins Studio, nutze unsere Reichweite und lass uns gemeinsam zeigen, wie Engagement die Stadt verändert.